Die Literaturwissenschaft ist keine Erfindung der Neuzeit

Die einfachste Erklärung wäre wohl auch treffend: Literaturwissenschaft ist die Wissenschaft der Literatur. Auf so ähnliche Ergebnisse wird der Literaturfreund bei seiner Recherche auch stoßen, denn in einigen Niederschriften wird die Literaturwissenschaft auch so dargestellt.

Wurzeln im Mittelalter?

Diese wissenschaftliche Beschäftigung soll ihre Wurzeln schon im Mittelalter haben. Es gehen aber die Meinungen darüber auseinander, ob Christoph Gottsched tatsächlich erster Lehrstuhlinhaber für die Poesie war, oder ob es schon früher solche universitäre Lehrstuhlinhaber gegeben hat. Wie aber so oft auch in anderen Bereichen zu beobachten ist, werden öfters Nachforschungsergebnisse Änderungen im historischen Sachstand mit sich bringen. Der Inhalt der Literaturwissenschaft wird aber klar festgelegt. Bestandteile dieser Wissenschaft sind die Literaturgeschichte, die Literaturtheorie sowie die Literaturinterpretation und natürlich auch die Literaturkritik.

Überlieferungen

Es wird in Überlieferungen davon ausgegangen, dass die Poesie in ihrer Beurteilung an den Universitäten bis hinein in das 18. Jahrhundert speziell auf das Thema Poetologie festgelegt wurde. Unter Poetologie sind die unterschiedlichen Lehren von der Kunst des Dichtens zu verstehen. Poetologie als erklärte Wissenschaft der Poetiken darf nicht mit Poetik verwechselt werden, denn das wäre sinnverändernd. Wie Literaturexperten festgestellt haben, gibt es in der Literatur poetologische Konzepte, welche den konkreten Werken als Basis dienen. Die lateinische Dichtung wurde mit Abstand vordergründig mit Aufmerksamkeit bearbeitet. Leider blieb die Dichtkunst in den jeweiligen Landessprachen so gut wie unbeachtet. Am wenigsten wurde sich mit der Poesieproduktion im 17. und 18. Jahrhundert beschäftigt.

Erkenntnisse

Sehr interessant sind die niedergeschriebenen Erkenntnisse über die Literaturwissenschaft im außenuniversitären Bereich. Der Roman wird nicht der Poesie zugeteilt. Der Roman ist sozusagen ein Kapitel der Literatur, welches sehr zergliedert wird. Zum Beispiel in Vorreden und geschichtliche Einteilung in Gattung und Qualität. Eine sehr entscheidende Rolle in dieser Forschungsphase spielte P. Daniel Huets mit seinem 1670 erschienenen „Tractat über den Ursprung der Romane“. Der sehr sachverständige Bischof machte einen bahnbrechenden Vorschlag. Er schlug vor, dass Romane generell mit der jeweiligen kulturellen Kulisse verbunden werden sollen, sozusagen als Fiktion davorgestellt. Fachexperten fanden diesen Vorschlag aber weniger gut, und blieben bei ihrer Romankritik.
Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Literaturwissenschaft vorrangig zum biografischen Projekt, aber es war umstritten. Mitte des 18. Jahrhunderts rettete die Poesiediskussion das allgemeine Projekt für Literaturgeschichte und auch Literaturwissenschaft.

Definition

Im 19. Jahrhundert gab es völlig neue Definitionen über die Betrachtung der Literatur. Der Begriff „Germanistik“ erhielt hohen Stellenwert, und geschulte Fachleute legten Wert darauf, die Nationalliteratur entsprechend zu sichern. Diese neue Literaturwissenschaft mit veränderten Definitionen wurde europaweit aufgenommen. Von Bedeutung ist auch, dass es eine Untergliederung in die Ältere deutsche Literaturwissenschaft und in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft gibt. Bei der älteren Deutschen Literaturwissenschaft handelt es sich um einen Teilbereich der Philosophie. Sie beschäftigt sich mit den Zeiträumen frühes Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert. Analysen nach Epochen und Autoren sind ihr Aufgabeninhalt. Es gibt hier keine speziellen Berufsfelder. Die neue Deutsche Literaturwissenschaft beschäftigt sich mit dem historischen Wandel ab dem 16. Jahrhundert. Literaturwissenschaft erfordert das wissenschaftliche Nachdenken über das Literaturgebiet auf methodischem Fundament, und sicher wird es hier noch so manche Überraschung geben. Verschiedene Methoden und auch Theorien werden helfen, noch tiefer in die Literatur einzudringen.

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